der geniale komponist (1732 - 1809)

Joseph Haydns musikalisches Leben

„Da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene“, Joseph Haydn

Joseph Haydn zählte heute wie zu seinen Lebzeiten zu den bekanntesten und populärsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte, er galt als der unbestrittene Doyen unter den Komponisten Europas. Geboren im kleinen Dorf Rohrau führte seine musikalische Laufbahn über das Chorknabenstift von St. Stephan in Wien und die Dienstverhältnisse der adeligen Häuser Morzin und Esterházy zu internationalem Ruhm. Erst im Alter von beinahe 60 Jahren trat Haydn aus dem Schatten seines Esterházyschen Dienstverhältnisses und begann eine internationale Musikerkarriere.

Auf seinen beiden Reisen nach England betrat er erstmals das internationale Parkett, das seine Werke bereits erobert hatte. In London wurde der pensionierte Hofkapellmeister in den Salons der adeligen Gesellschaft herumgereicht - war Gesprächspartner des englischen Königs, des Thronfolgers und des Hochadels. König George IV. und Admiral Lord Nelson schätzten seine Werke ebenso wie König Ferdinand IV. von Neapel und Friedrich Wilhelm II. Preußen. Maria Theresia wurde der Bonmont in den Mund gelegt: Wenn ich eine gute Oper hören will, fahre ich nach Eszterháza. Haydns Platz in der Musikgeschichte ist herausragend und unverrückbar. Sein Schaffen erstreckt sich vom Stil der Barockmusik bis hin zu jenem, welcher später als „Wiener Klassik“ Einzug in die Musikgeschichte nehmen sollte. Haydn gilt als einer ihrer „Väter“. Als Ältester in der Reihe der großen Trias Haydn-Mozart-Beethoven fungierte er sowohl als „Pionier“ wie als „Vollender“, bahnbrechend auf dem Gebiet der damals modernen Instrumentalmusik, der Sinfonie und besonders des Streichquartetts, das seine Existenz und Charakteristik als musikalische Gattung maßgeblich der Initiative Haydns verdankt. Er lieferte vielfach die kompositorischen Modelle und Techniken, an die sein jüngerer Kollege Mozart und sein späterer Schüler Beethoven anknüpfen konnten, um sie ihrerseits zu künstlerischen Spitzenleistungen weiter zu entwickeln.

Neben Mozart und Beethoven zählten auch andere Komponisten und Musiker wie beispielsweise Johann Nepomuk Hummel, Ignaz Joseph Pleyel, Luigi Cherubini u.a.m. zu den Freunden und Verehrern von Joseph Haydn.

 

Über 1000 Werke

Joseph Haydn hinterließ ein grandioses OEuvre. In seiner schier endlosen Produktivität komponierte er im Laufe seines Lebens über 1000 Werke. Haydn hat aber nicht nur in der Instrumentalmusik, sondern auf allen Gebieten der Tonkunst Großes vorgelegt. Vor allem mit seinem Oratorium „Die Schöpfung“, das man als sein Hauptwerk bezeichnen kann, hat sich Haydn in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben.
Sein Gesamtwerk umfasst unter anderem 107 Sinfonien, Instrumentalkonzerte für mehrere Soloinstrumente, Trios, Klaviersonaten, große Oratorien („Die Schöpfung und „Die Jahreszeiten“), Messen und andere Kirchenmusik, Opern, Singspiele und vieles mehr.

Kindheit und Jugend in Rohrau und Wien

Joseph Haydn wurde am 31. März 1732 im niederösterreichischen Rohrau als ältestes von zwölf Kindern geboren. Sein Vater, Mathias Haydn, war Wagnermeister und im betagten Alter Dorfrichter. Haydns Mutter Anna Maria diente als Köchin auf Schloss Rohrau, dem Sitz der Grafen Harrach. Haydns Vater spielte Harfe - hatte aber keinerlei musikalische Ausbildung genossen und konnte auch nicht Noten lesen.

Der Ort Rohrau liegt im heutigen Niederösterreich, in der Nähe der slowakisch-ungarischen Grenze. Die Leitha war damals Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Obwohl Rohrau selbst eine deutschsprachige Bevölkerung hatte, lernte Haydn in den umliegenden Dörfern früh die Musik anderer Ethnien kennen. Er verinnerlichte diese unterschiedlichen musikalischen Elemente dermaßen, dass noch in seinen Spätwerken Klänge von Zigeunerfideln und Melodien kroatischer, slowakischer und ungarischer Volkslieder hörbar sind.

Früh erkannte man das musikalische Talent des „kleinen Haydn“, zunächst in seiner herrlichen Sopranstimme. In seinem sechsten Lebensjahr wurde er im Frühjahr 1738 nach Hainburg in Niederösterreich zur Schule geschickt. Hier lernte Haydn Lesen und Schreiben, erhielt aber auch Unterricht im Singen und in fast allen Saiten- und Blasinstrumenten. Einen besonderen Platz nahm auch die Beschäftigung mit dem Katechismus ein, da ihn seine Eltern gern als Geistlichen gesehen hätten. Doch konnte sein Interesse an diesem Beruf nicht geweckt werden. Später wird er von dieser Zeit, in der er im Hause des Schulrektors Franck untergebracht war, erzählen: „Ich verdanke es diesem Manne noch im Grabe, daß er mich zu so vielerley angehalten hat, wenn ich gleich dabey mehr Prügel als zu essen bekam“.

Entdeckt durch Georg Reutter, dem Wiener Domkapellmeister, kam Joseph Haydn im Frühjahr 1740 als Chorknabe nach St. Stephan in Wien. Die soziale Fürsorge und die Allgemeinbildung der Chorknaben waren in vielen Bereichen sehr mangelhaft. Sie bekamen nur notdürftigen Unterricht in Latein, Religion sowie Rechnen und Schreiben. Der junge Haydn hatte jedoch tüchtige Lehrer, die ihn verschiedene Instrumente und Stimmbildung lehrten. Da er über einen wunderschönen Sopran verfügte, war er in seinen jungen Jahren in Wien als Solosänger bei Adeligen und sogar am Kaiserhof sehr beliebt. Auf Grund des Stimmbruches, aber angeblich auch wegen disziplinärer Schwierigkeiten wurde er gegen Ende des Jahres 1749 aus dem Domchor zu St. Stephan entlassen. Sein jüngerer Bruder Michael, der seit 1745 ebenfalls Sängerknabe war, übernahm fortan die Soli.
 

Karge Lehrjahre

Nach seiner Entlassung aus dem Domchor bezog Haydn im Alter von 16 Jahren eine unbeheizte Dachkammer im Michaelerhaus in der Nähe der Wiener Hofburg. Es folgten Jahre der Armut und er musste sich als Straßenmusikus und Musiklehrer durchschlagen. Diese Zeit war hart für ihn, dennoch verlor er nie den Mut und meinte später: „Durch diese Elende Brode gehen viele Genies zu Grund, da ihnen die Zeit zum Studieren mangelt. Die Erfahrung traf mich leider selbst, ich würde das Wenige nie erworben haben, wenn ich meinen Compositionseifer nicht in der Nacht fortgesetzt hätte“.

Dass er damals trotz aller Entbehrung auch glücklich gewesen war, bezeugt seine folgende Aussage: „Ich konnte auf meinem von Würmern zerfressenen Clavier arbeiten und beneidete keinen König um sein Glück“. Im Michaelerhaus knüpfte er auch seine ersten wichtigen Kontakte, so lernte er den Hofpoeten Metastasio kennen.

Zu dieser Zeit studierte Haydn mit Leidenschaft die Klaviersonaten von C. Ph. E. Bach. Besondere Folgen hatte seine Bekanntschaft mit dem bekannten Komponisten und Gesanglehrer Nicola Porpora, welcher ihm die italienische Sprache beibrachte und eine Anstellung als Klavierlehrer bei der aus Neapel stammenden Familie Martinez verschaffte. Porpora, der auch Unterricht im Singen erteilte, bediente sich des jungen Haydn als Klavierbegleiter; für diesen war es die Gelegenheit, die italienische Methode im Begleiten vollkommen kennen und ausüben zu lernen und sich auch das nötige Rüstzeug für das Opernkomponieren anzueignen. Dafür nahm er die nicht gerade freundliche Behandlung von Porpora in Kauf, der ihn auch für Kammerdienerdienste ausnützte. „Da fehlte es nicht an Asino, Coglione, Birbante und Rippenstößen; aber ich ließ mir alles gefallen, denn ich profitirte bey Porpora im Gesange, in der Komposition und in der italienischen Sprache sehr viel“.

Etwa um 1756 oder 1757 zog Haydn in eine bessere Unterkunft auf der Seilerstätte, wo er jedoch beraubt wurde und ihm kaum noch etwas von seinen ohnedies nur bescheidenen Besitztümern übrig blieb. Es folgte eine kurzfristige Anstellung beim Baron Fürnberg auf Schloss Weinzierl in Weichselburg (NÖ), wo er vorübergehend auch ein Quartier hatte. Im Auftrag von Baron Fürnberg schrieb er seine ersten Streichquartette.

Im Jahre 1758 wurde Haydn als Kammerkomponist und Musikdirektor beim Grafen Morzin in Lukavec angestellt. Dies bedeutete für ihn ein regelmäßiges Einkommen und soziale und gesellschaftliche Verankerung, aber auch die Möglichkeit, seine musikalischen Fähigkeiten an einem adeligen Hof unter Beweis zu stellen. Hier komponierte er bereits Trios und seine ersten Sinfonien. Noch vor seiner Anstellung beim Grafen Morzin lernte Haydn die Familie des Perückenmachers Keller kennen, deren Tochter Maria Anna Theresia er Musikunterricht erteilte und die er am 26. November 1760 zu St. Stephan ehelichte. Nachdem Graf Morzin seine Ausgaben reduzieren musste, löste er die Kapelle auf und vermittelte Haydn ein neues Engagement bei Paul II. Anton Fürst Esterhazy.

 

Der Esterházysche Kapellmeister

Am 1. Mai 1761 wurde Joseph Haydn von Paul II. Anton Esterházy als Vizekapellmeister (zuständig für den weltlichen Teil der Hofkapelle) eingestellt und kam so an jenen Fürstenhof, dem er zeitlebens verbunden bleiben sollte. Er wurde Mitglied der fürstlichen Hofgesellschaft und somit Teil einer Gemeinschaft mit festen Traditionen. Neben dem gesellschaftlichen Aufstieg bedeutete das jährliche Gehalt von 400 Gulden zweifellos auch die Festigung seiner finanziellen Situation. Die Leistungen, welche er dafür zu erbringen hatte, reichten von der Organisation über die Pflege der Instrumente und des Notenmaterials bis zum Konzertieren und Komponieren.

Nach dem Tod von Paul II. Anton im Jahr 1762 trat sein Bruder Nikolaus I., „der Prachtliebende“, die Majoratsherrschaft an. Er erhob nach dem Tod von Kapellmeister Gregor Joseph Werner im Jahre 1766 Haydn zum ersten Kapellmeister der Esterházyschen Hofkapelle, zuständig für alle Bereiche, von der Kirchenmusik über die Kammer- und Theatermusik bis hin zur Tafelmusik.

Damit begann die weit über die Grenzen des Habsburgerreiches bekannte Glanzperiode des Musik- und Theatergeschehens am fürstlichen Hofe Esterházy. Nikolaus wurde nicht ohne Grund „der Prachtliebende“ genannt. Er ließ neben seinen bereits bestehenden Anwesen das herrliche Schloss Eszterháza am Südufer des Neusiedler Sees erbauen. Er liebte die Künste, insbesondere die Musik. Fürst Nikolaus I. war selbst auch Musiker, er spielte das Baryton - ein Gambeninstrument mit zusätzlichen, frei schwingenden Saiten, die auch gezupft werden können. Haydn komponierte für Nikolaus I. allein mehr als 160 Werke für dieses Instrument.

Der hohe Anspruch des Fürsten trieb Haydn zu zahlreichen Sinfonien, Opern, Messen und Kammermusikstücken. Oft konnte Haydn vor Arbeit kaum Luft holen, dennoch bekannte er später: „Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt, und was ihn schwächt, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen. Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selber irre machen und quälen, und so mußte ich original werden.“
 

Kaiserin Maria Theresia wurde der Bonmot in den Mund gelegt: „Wenn ich eine gute Oper hören will, fahre ich nach Eszterháza.“

Schloss Eszterháza

Um 1766/67 beschloss Nikolaus, das Schloss Eszterháza im heutigen ungarischen Fertöd zu seiner Sommerresidenz zu machen. 1768 wurde das Opernhaus in Eszterháza mit der Uraufführung von Haydns Oper „Lo Speziale“ feierlich eröffnet.

Joseph Haydn lebte am Esterházyschen Hof eher isoliert. Er litt unter jener Einsamkeit, die aber ideal und notwendig für sein Schaffen war. Während dieser Zeit kam er nur in beschränktem Maße mit den entfernteren Strömungen des europäischen Musiklebens in Berührung. Nur selten konnte er die nahe gelegenen Städte Wien oder Preßburg besuchen. Bis etwa 1775 hatte seine Hauptaufgabe darin bestanden, für den fürstlichen Hof Instrumentalmusik und Kirchenmusik zu komponieren und die Aufführungen zu leiten.

Ab dem Jahr 1776 wurde mit regelmäßigen Opernaufführungen, der so genannten Esterházyschen Sommeroper, begonnen. Haydn beschäftigte sich zunehmend mit der Gattung der Oper, welche zeitweise jede andere Musikaktivität des Komponisten verdrängte. So dirigierte er etwa in einem Jahr 125 Aufführungen von 17 Opern, und sein Ruhm sowohl als Operndirigent als auch als Opernkomponist stieg mit jedem weiteren Werk.

Nikolaus I. förderte jedoch Haydn nicht nur um dessen Musik willen, sondern weil Haydns Kompositionen die Hofhaltung seines Stils unterstrichen und zu seiner eigenen Repräsentation dienten. Haydn selbst war genial genug, um sich den äußeren Rahmenbedingungen, die ihm am Fürstenhof geboten wurden, anzupassen und den Erwartungen seines Dienstherren zu entsprechen.

Nach dem Tod von Nikolaus I. im Jahre 1790 wurde die Hofkapelle von dessen Nachfolger in der Majoratsherrschaft, Fürst Anton, aus Kostengründen aufgelöst. Joseph Haydn behielt zwar nominell seine Anstellung als Hofkapellmeister, wurde aber mit einem Salar von 1400 Gulden in Pension geschickt und musste folglich diese Funktion nicht ausfüllen. Zu diesem Zeitpunkt war er 58 Jahre alt und nun begann für ihn der schon lange ersehnte neue Lebensabschnitt, erfüllte Jahre in Wien zu verleben, ohne die Zwänge des Esterházyschen Hofkorsetts.  Durch die Verlegung seines Wohnsitzes nach Wien eröffneten sich ihm sowohl in künstlerischen als auch in wirtschaftlichen Belangen völlig neue Möglichkeiten.
 

England-Reisen
und internationale Karriere

Joseph Haydn war zum Zeitpunkt seiner Pensionierung schon weit über die Grenzen der habsburgischen Monarchie bekannt und beliebt. Seine Werke wurden bereits in Paris, Berlin, Amsterdam und anderen europäischen Metropolen verlegt und aufgeführt. Der russische und insbesondere der spanische Hof bewunderten und begehrten seine Kompositionen. 1782 gelangte auch in Amerika erstmals eine Haydn Sinfonie zur Aufführung. Graf Anton Grassalkovich versuchte den nunmehr „beschäftigungslosen“ Komponisten als Leiter seiner Hofkapelle nach Preßburg zu verpflichten. Ein besonders attraktives Offert kam von König Ferdinand IV., der ihn an seinen glanzvollen Hof in Neapel lud.

Haydn nahm jedoch das Angebot Johann Peter Salomons, eines bedeutenden Impresarios und Konzertmanagers der damaligen Zeit an, der ihn 1791 nach London engagierte. Einer Unterredung über die bevorstehende Reise zwischen Salomon, Mozart und ihm entsprang eines der berühmtesten Zitate Haydns.

Nachdem Mozart den Meister von der Reise abhalten wollte und zu „Papa Haydn“ meinte, dass er zu wenige Sprachen für so ein Vorhaben spräche, antwortete Haydn: „Meine Sprache verstehet man durch die ganze Welt“. Haydn und Salomon reisten über München nach Bonn und von dort weiter nach Calais, wo sie am 1. 1. 1791 den Kanal übersetzten.

In London wurde Haydn binnen kürzester Zeit zum Mittelpunkt des Musikgeschehens. Er selbst war fasziniert von dieser Millionenmetropole, in der er begeistert gefeiert wurde. Die Engländer liebten und schätzten seine Musik. Viele neue Anregungen schlugen sich in zahllosen Kompositionen nieder. Er schuf in jener Zeit eine Reihe hervorragender Werke, zu denen vor allem die 12 Londoner Sinfonien gehören. Die „Londoner Zeitung“ schrieb 1792: „Nie hatten wir einen reicheren musikalischen Genuss. Freilich ist nicht zu verwundern, daß Haydn den für die Musik empfänglichen Herzen ein Gegenstand der Verehrung, ja Anbetung sein muss; denn gleich unserem Shakespeare bewegt und regiert er die Leidenschaften nach seinem Willen.“

Insgesamt unternahm Haydn zwei Reisen nach London. Bei seiner ersten Reise 1791/92 traf er zum Händelfestspiel in der Westminster Abbey ein, welches zum Gedenken an den Komponisten Georg Friedrich Händel veranstaltet wurde. Haydn war begeistert von den Ausmaßen der englischen Orchester, die viel größer waren als jene in seiner Heimat. Seine zweite Reise nach London 1794/95 stellte den Höhepunkt seines symphonischen Schaffens dar.

Neben der musikalischen Arbeit widmete er sich aber auch intensiv dem gesellschaftlichen Leben und schloss auf diesem Wege Freundschaften mit Persönlichkeiten des Englischen Königshofes und der Kirche. Seine gesellschaftlichen Kontakte erreichten eine neue Dimension. Er pflegte Bekanntschaften mit König George III. und der Königin von England, dem Prince of Wales, dem Herzog und der Herzogin von York und vielen anderen Aristokraten und Mitgliedern des Hochbürgertums. Er wurde mit viel Respekt bedacht und erhielt viele Ehrungen. So wurde ihm im Jahr 1791 das Ehrendoktorat für Musik der Universität Oxford verliehen. In London lebte er ein freies, ungezwungenes Leben als freier Künstler: „Wie Süss schmeckt doch eine gewisse freyheit, ich hatte einen guten Fürsten, mußte aber zu Zeiten von niedrigen Seelen abhängen, ich seufzte um Erlösung, nun ahnte ich sie einigermaßen.“
 


„Wiens ganze schöne Welt erschien, die meisten in Trauer. Das Ganze war sehr feyerlich und Haydns würdig.“

Lebensabend
und europäischer Ruhm

Im Jahre 1794 starb Fürst Anton, und sein ältester Sohn Nikolaus II. trat sein Erbe in der Majoratsherrschaft an. Er reinstallierte 1795 das Hoforchester und berief Haydn erneut als Kapellmeister. Dieser nahm die Aufforderung von Fürst Nikolaus II. Esterházy an. Schloss Eszterháza in Fertöd wurde als Residenz aufgegeben, sie residierten nur noch in Eisenstadt und Wien. Haydn, als der zu dieser Zeit berühmteste Komponist des Kontinents, ließ sich in seinem neu erworbenen und umgebauten Haus in Gumpendorf in Wien nieder.

Ab 1802 war er von allen seinen amtlichen Pflichten befreit. Sein letzter Auftritt als Dirigent erfolgte zum Kirchweihfest von St. Stephan am 26. Dezember 1803. Als sich 1804 seine Dienstunfähigkeit immer mehr abzeichnete, wurde ihm der bekannte Klaviervirtuose und Komponist Johann Nepomuk Hummel als Konzertmeister zur Seite gestellt.

Der Mann, der eine Wende in der Musikgeschichte bewirkt hatte, zog sich für immer aus dem öffentlichen Leben zurück. Sein letzter öffentlicher Auftritt erfolgte am 27. März 1808 bei der Aufführung der Schöpfung in der Aula der Alten Universität in Wien. Verschiedenste Verleger bemühten sich, Gesamtausgaben von seinem Werk zu schaffen und auch Biographen interessierten sich für Joseph Haydns Leben. In Haydns letzten Tagen erlebte die Stadt Wien eine bedrückende Zeit. Napoleon hatte die Stadt belagert und besetzt. Nach der Kapitulation der Stadt wurde Joseph Haydn immer schwächer.

Am 31. Mai 1809 starb er 77-jährig friedlich in seiner Wohnung in Wien und wurde am 1. Juni auf dem Hundsthurmer Friedhof beerdigt. Am darauffolgenden Tag wurde in der Gumpendorfer Kirche ein Requiem für ihn zelebriert. Zwei Wochen später hielt man in der Wiener Schottenkirche einen großen Gedenkgottesdienst ab, bei dem Mozarts „Requiem“ erklang. „Wiens ganze schöne Welt erschien, die meisten in Trauer. Das Ganze war sehr feyerlich und Haydns würdig.“
 

Joseph Haydns Meisterwerke

Haydns Schaffen beinhaltet fast alle Gattungen der Vokal- und Instrumentalmusik, doch rückte die Instrumentalmusik, vor allem die Sinfonie und das Streichquartett, von Beginn an in das Zentrum des Interesses und Schaffens des Komponisten. Sein Ruf als „Vater“ des Streichquartetts beruht darauf, dass er wesentlich die zyklisch mehrsätzige Form bestimmte. Er entwickelte die viersätzige Folge, charakterisiert durch die Abfolge schneller Satz, langsamer Satz, Menuett und wieder schneller Satz. Seine ersten klassischen Streichquartette entstanden durch einen Auftrag des Grafen Fürnberg, der auf seinem Schloss Weinzierl mit Freunden musizieren wollte und von Haydn einige Stücke für „vier Kunstliebhaber“ forderte.

Haydn nahm den Auftrag an und es entstanden die frühen Streichquartette Op. 1, Nr. 1-4 und 6 sowie Op. 2, Nr. 1, 2, 4 und 6, denen noch über 70 weitere folgen sollten. Zu den bekanntesten und am häufigsten gespielten Kompositionen zählen wohl die „Sonnenquartette“, die „Russischen Quartette“ und insbesondere das „Kaiserquartett“. Einen besonderen Status erfährt die Melodie als Hauptmotiv der Hymne „Gott erhalte den Kaiser“, die dann als Kaiserhymne bekannt und verbreitet wurde. Aus kompositorischer Sicht stellt die Veröffentlichung seiner sechs Streichquartette „Russische“ im Jahr 1781 einen Meilenstein dar. In diesen Werken erreichte Haydn seine stilistische Meisterschaft und meinte selbst, sie seien auf „ganz besondere Art“ komponiert.

Neben dem Streichquartett, der Klaviersonate und dem Klaviertrio war es besonders die Gattung der Sinfonie, die in der Wiener Klassik einen phänomenalen Aufschwung erfuhr. Joseph Haydns sinfonisches Schaffen durchwandert beispielhaft den Weg von der Einbindung in die höfische Musikpflege hin zu Auftragskompositionen auswärtiger Konzertunternehmen mit breitester Resonanz in adeligen und bürgerlichen Musikkreisen Europas. Seine ersten Sinfonien schrieb Haydn etwa um 1758 bis 1761. Im Laufe seines Lebens komponierte er 107 Sinfonien. Seine ersten Sinfonien für den Esterházyschen Hof Nr. 6 bis 8 schrieb er 1761. Die Namensgebung der Werke – „Le matin“ (Der Morgen), „Le midi“ (Der Mittag), „Le soir“ (Der Abend) – geht wahrscheinlich auf eine Anregung des Fürsten zurück.

Viele Sinfonien Haydns erhielten im Nachhinein Beinamen wie zum Beispiel Nr. 94 „Paukenschlag“ oder auch „Surprise“, Nr. 30 „Alleluja“, Nr. 48 „Maria Theresia“ oder Nr. 92 „Oxford“ sowie die Nr. 93 – 104, seine berühmten „12 Londoner Sinfonien“. Die Nr. 45, „Abschiedssinfonie“ genannt, sowie auch einige andere sind auch mit Anekdoten, die sich um ihre Entstehung ranken, verbunden.

Zu großer Berühmtheit gelangte Joseph Haydn unter anderem auch auf Grund seiner Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Am Höhepunkt seines Schaffens legte er mit diesen beiden Werken für beinahe ein ganzes Jahrhundert den Rahmen für „moderne“ Instrumentation in der sinfonischen Musik mit der Größe eines Orchesters fest, in dem vom Piccolo bis zum Kontrafagott fast alle Instrumente eingesetzt werden. Weitere bekannte Werke dieses Genres sind das „Stabat Mater“ aus dem Jahre 1767 sowie „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“, die er 1786 vertonte.

Der reichen Schaffensfülle Joseph Haydns entsprangen noch 14 Messen, 21 Streichtrios, 126 Barytontrios, 29 Klaviertrios, 47 Klaviersonaten, eine Vielzahl von Opern und Singspielen sowie einzelne Klavierstücke, Trompetenkonzerte und Menuette. 1802 schuf er seine letzte vollendete Komposition, die „Messe in B“, die so genannte „Harmoniemesse“. Im Jahre 1803 begann er mit der Arbeit an einem „Streichquartett“ Op. 103, das sein letztes Werk bleiben sollte und der Nachwelt nur mehr unvollendet erhalten blieb.

Auenbrugger Sonate, Foto: © Heiling / Lorenz
Auenbrugger Sonate, Foto: © Heiling / Lorenz
Russische Quartette, Foto: © Heiling / Lorenz
Russische Quartette, Foto: © Heiling / Lorenz
Ignaz Pleyel Streichquartette Haydn gewidmet, Foto: © Heiling / Lorenz
Ignaz Pleyel Streichquartette Haydn gewidmet, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Schöpfung, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Schöpfung, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Schöpfung, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Schöpfung, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Jahreszeiten, Foto: © Heiling / Lorenz
Die Jahreszeiten, Foto: © Heiling / Lorenz
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Anhänger der Gall'schen Schädellehre stahlen Haydns Schädel aus dem Grab, um sein Genie zu erforschen.

Haydns verschollener Schädel

Da Haydn einen Großteil seines Lebens den Fürsten Esterházy „gedient“ hatte, beschloss Fürst Nikolaus II. Esterházy, allerdings erst 1820, die sterblichen Überreste Joseph Haydns in der Eisenstädter Bergkirche beizusetzen. In diesen elf Jahren spielte sich eine verworrene Geschichte um Haydns Schädel ab: Als man Haydns Grab öffnete, war die Überraschung groß, denn man musste feststellen, dass der Schädel des Komponisten fehlte. Man stellte fest, dass der fürstlich Esterházysche Sekretär Joseph Carl Rosenbaum - ein musischer Mensch, aber auch ein fanatischer Anhänger der „Gall’schen Schädellehre“, die Meinung vertrat, dass die genialen Fähigkeiten eines Menschen im Schädel ihren Sitz haben - acht Tage nach Haydns Begräbnis das Grab öffnete und dem Leichnam den Kopf abtrennte.

So wurde Joseph Haydns Leichnam zunächst ohne Cranium nach Eisenstadt überführt und in einer Gruft unter der Bergkirche bestattet. Ein Schädel, der später von Johann Peter als „Haydn - Schädel“ der Polizei übergeben wurde und in aller Stille in Eisenstadt zu Haydns Gebeinen in den Sarg gelegt wurde, erwies sich als falsch.

Denn Joseph Carl übergab den echten Schädel auf dem Totenbett seinem Freund Peter mit dem Auftrag, die Reliquie dem Musikkonservatorium zu vermachen. Doch es dauerte noch eine Weile, bis der Schädel Joseph Haydns ein Museumsobjekt wurde. Weder er noch seine Witwe wagten es, den Schädel zu übergeben. Über den Arzt Dr. Karl Haller und den Anatomen Rokitansky gelangte der Schädel schließlich zur Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die ihn Jahrzehnte hindurch als kostbares Schaustück ihres Museums aufbewahrte.

1932, anlässlich Haydns 200. Geburtstag, setzten wieder Bestrebungen ein, den Schädel des Komponisten mit dem Körper zu vereinen. Die Gesellschaft der Musikfreunde schien durchaus geneigt, sich von ihrer Reliquie zu trennen und das Haus Esterházy errichtete in der Eisenstädter Bergkirche ein Mausoleum, in dem Joseph Haydn 123 Jahre nach seinem Tod endlich seine letzte Ruhestätte finden sollte. Doch auch dieser Versuch scheiterte in letzter Minute.
Der Sarkophag blieb leer, bis das Burgenland 1954 – 145 Jahre nach seinem Tod -  „seinen“ großen Sohn heimholen konnte in die Stadt, in der er über drei Jahrzehnte lang gewirkt und den Großteil seines unvergänglichen Werkes geschaffen hat. Das Burgenland bereitete Joseph Haydn einen triumphalen Empfang. Durch Eisenstadt, an seinem Wohnhaus und am Schloss vorbei, führte der Weg des Schädels, und in einem Festakt in der Bergkirche vereinte ihn Gustinus Ambrosi mit den Gebeinen des Komponisten.

 

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